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Um herauszufinden welche Frequenzbereiche oder Resonanzen überbetont sind, macht es Sinn einen Bell-EQ schmalbandig um 10-15 dB anzuheben und dann das komplette Frequenzspektrum einmal durchzufahren. Dieses Vorgehen nennt sich “sweepen”. Dadurch lässt sich einfacher heraushören, wo störende Frequenzen reduziert oder eliminiert werden müssen. Nachdem die störende Frequenz gefunden wurde, kann über die Lautstärke (Gain) und die Bandbreite (oder Q-Faktor) die optimale Einstellung gefunden werden.

Hier findest du ein paar Tipps & Tricks im Umgang mit spektralen Effekten:

  1. Es kann nichts angehoben werden, was nicht im Signal enthalten ist. Das heißt z.B., dass bei einem Signal, welches oberhalb von 16kHz keine Frequenzanteile hat, auch keine Frequenzen oberhalb dieser Frequenz mit einem Equalizer angehoben werden können.
  2. Im Normalfall wird der Gain eines Frequenzbandes reduziert, sobald die Bandbreite erhöht wird und andersherum. Hierzu bieten manche Equalizer die Funktion “Proportional Q”. Diese Funktion verändert proportional zur Bandbreite auch die Lautstärke des Bandes und gleicht sie damit aus.
  3. Wenn ein Frequenzbereich in einer Spur angehoben wird, ist es sinnvoll diesen Bereich in einer anderen Spur abzusenken um den Maskierungseffekt zu verringern. Beispiele hierfür sind Kick Drum und Bass. Wenn die Kick Drum eine Anhebung bei 80Hz bekommt, kann dieser Bereich beim Bass abgesenkt werden. Für solche Fälle kann ein dynamischer Equalizer nützliche Arbeit leisten, der nur dann den ausgewählten Frequenzbereich absenkt, wenn das andere Element spielt.
  4. Üblicherweise kann jede Spur im Bassbereich beschnitten werden, sofern sie dort keine tragende Rolle spielt. Meistens sind hier nur eine Kick Drum und ein Bass angesiedelt. Als Faustformel kann folgender Tipp hilfreich sein: So hoch wie möglich cutten, ohne dass die entsprechende Spur dünn klingt. Teilweise können aber auch Grundtöne entfernt oder abgesenkt werden, wenn es dem Mix gut tut. Die Entscheidung zwischen Low Cut oder Low Shelf ist abhängig vom Material.
  5. Oft gilt: weniger ist mehr. Jedoch sollte man sich nicht davor scheuen auch drastische Bearbeitungen zu machen. Denn am Ende zählt nur das Ergebnis.
  6. Eine Bearbeitung mit einem EQ muss im Mix gut klingen, nicht solo.
  7. Technische Bearbeitungen, wie Resonanzen entfernen, sind jedoch meistens im Solo-Modus besser vorzunehmen.
  8. Eine EQ-Einstellung sollte immer im A/B (vorher/nachher) über den Plugin-Bypass verglichen werden. So kann gut beurteilt werden, ob die Bearbeitung das Signal verbessert oder verschlechtert hat. Viele EQs erlauben auch ein Bypassen eines einzelnen Bandes.
  9. Eine gute Aufnahme oder ein gutes Sounddesign kommt mit wenigen Bearbeitungen aus und spart viel Arbeit und Probleme in der späteren Klangoptimierung. Daher ist es wichtig, sofern man selber darauf Einfluss hat, sowohl technisch gute Signale als auch die Performance des Künstlers optimal aufzunehmen.
  10. Spektrale Effekte sollten bei mittlerer Lautstärke eingestellt werden, da die Fletcher-Mundson-Curves sonst den wahrgenommenen Klang zu sehr verfälschen.